Zum Paternoster Fahren nach Hamburg: Rückblick zum Science 2.0 BarCamp #s20bar

Heute, am 24.03.2015, war das Science 2.0 BarCamp in Hamburg. Während sich viele der anderen Teilnehmer auf die dazugehörige Tagung vorbereiten, die morgen startet, blogge ich schnell, was ich noch im Kopf habe und ehe ich mich wieder an andere Deadlines erinnere.

tl;dr

There is no „Open“ in „Science 2.0“. Und trotzdem drehten sich recht viele Sessions genau um diesen Aspekt. Warum? Weil es offen leichter ist. Ob es besser ist, wird sich noch herausstellen, aber ohne Offenheit hat Science 2.0 nur eine abgezäunte 1m² große Spielwiese auf einem Rasen so groß wie Grönland. Mindestens. Ihr könnt ja ein Trinkspiel zu jedem „Open“ allein in diesem Blogpost spielen 😉

Sessionplaung und Eröffnungsvortrag

Bei reichlich 40 Personen war der Session-Plan ausgesprochen vielseitig. Überhaupt war es ein sehr interessantes Publikum: In meiner Wahrnehmung sehr viele Bibliotheksmenschen unterschiedlicher Ausprägung, aber auch IT’ler, Kulturwissenschaftler, Wikimedia-verbundene Personen… und ich.

Der Sessionplan
Der Sessionplan

Was ich anderen BarCamps nicht kannte: es gab einen Eröffnungsvortrag. Christian Heise nannte in seinem Short Talk „The Bad News About the Good News: Openness has won“ vier zentrale Herausforderungen:

Sketchnotes zum Eröffnungsvortrag #s20bar
Sketchnotes zum Eröffnungsvortrag #s20bar

Dabei bin ich aktuell ganz klar bei Challenge 3: Openvenience. Open Science ist oft sehr aufwendig. Etliche Paper warten in meiner ToDo-Liste und wollen endlich in eine Draft-Version überführt werden, damit ich sie auf Qucosa laden kann, ohne mir über die Rechte irgendwelcher Verlage Gedanken machen zu müssen.

Dann ging es in die Sessions. Alle sind mehr oder minder gut dokumentiert über das zentrale Etherpad zu erreichen.

Die Sessions

Open Innovation for MOOC Makers (von mir)

Nach langem Hin und Her hatte ich mich entschieden, dann doch eine Session anzubieten (am Vorabend war ich noch überzeugt davon, dass meine Vorbereitung nicht ausreicht). Ich habe unsere MOOC-Plattform mooin vorgestellt und nach einigen Startschwierigkeiten (ich sollte tatsächlich auf einen mobilen Passwort-Manager wechseln) kamen wir zu meiner Fragestellung: Wie bekommt man Nutzer (also vor allem Lernende) dazu, bei der Gestaltung und Verbesserung von MOOCs mitzuwirken? Letzteres finden wir sowieso immer toll, ersteres haben wir vor allem im Rahmen des Projekts pMOOC vor.

Die anderen Teilgeber [BarCampSprech] hatten unterschiedliche Erfahrungen im Open Innovation Bereich und so wurden diverse Ansätze und dafür benötigte Features genannt: Votings, Kommentare, Integration/Evaluation von Studierenden über Seminarprojekte, User Stories und ich glaube noch mehr. Daneben kamen immer wieder Fragen zu unserer Plattform: Welches Geschäftsmodell haben wir, wird die Präsenzlehre darunter leiden, machen wir damit die Welt besser… Das zu erklären (in diesem Fall durch internationales Publikum auf Englisch) macht richtig Spaß bei diesem tollen Projekt. „OER wir machen. Jedi-Ritter wir sind.

WordPress Plugins für Wissenschaftler (von @Sascha_Foerster)

Au ja. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben: das ist nicht Anjas Blog, das ist was Neues! Ich bin auf eigenen Webspace umgezogen, jetzt bin ich gerade noch dabei, alles auf FAT MEDIA umzustellen, dann schreibe ich auch mal etwas mehr dazu. In diesem Rahmen hatte ich mir die Artikel (12) von Sascha letzte Woche gebookmarked, ohne zu wissen, dass er auf dem BarCamp sein wird.

Was kann man unter anderem tun? Zotero-Bibliotheken importieren und einsetzen, dafür sorgen, dass der Import der Metadaten in Literaturdatenbanken einfach und richtig funktioniert, VG-Wort-Zählpixel einfach integriert werden können, kaputte Links gefixt werden, absatzweise kommentiert werden kann, Zitiervorschläge unterbreitet werden, u. v. m.

Open Science Training – eLearning (von Astrid)

Im Projekt FOSTER gibt es offenbar einige Materialien, um Wissenschaftler über Open-Science-Praktiken aufzuklären. Aus diesen will man nun wohl Kursangebote stricken, ist sich aber noch nicht sicher, wie man Interessenten gewinnt, was diese wohl wissen wollen und wie sich die Teilthemen um Open Science gut gruppieren lassen.

Als braver Lübecker Schüler habe ich natürlich auf Kompetenzorientierung bei der Vermittlung hingewiesen, der Hinweis auf „Making“ kam dann von wem anderes, kann ich aber nur unterstreichen. Ich hatte ein wenig den Hintergedanken, das Thema auf MOOC-Tauglichkeit abzuhören, allerdings ist das mit der bereits fertigen Materialienbasis (offenbar in Form von Handreichungen und PDFs) nicht denkbar. Ich denke aber auch, dass es generell ein schwieriges Thema ist: die wahrgenommenen Vorteile von Open Science für den Einzelnen sind schlichtweg noch zu gering, während Closed Access etc. oftmals mit anerkannten Verlagen und Journals einher geht. Ohne Idealismus und Gutmenschsein ist das glaube ich eine sehr harte Nuss bei der Vermittlung im Rahmen der akademischen Weiterbildung.

Open Web Index: Why, how and who? (von @lambo)

Lambert Heller stellte das Manifest „Europa braucht einen offenen Web-Index“ vor. Aber wofür? Wir haben doch Google? Ich mag Google. Laut meiner Google Kontoübersicht habe ich 982 Suchanfragen in den letzten 28 Tagen und ich hätte sogar noch mehr erwartet. ABER der Web-Index ist nicht offen. Na und? UND so kann der Webindex nicht anderweitig genutzt werden.

Die Show-Cases zu alternativen offenen Web-Indizes waren dann aber doch interessant, bspw. WikiReverse. Und da wird es dann doch wieder interessant: Was könnte man mit so einem offenen Web-Index tun? bspw. die Verlinkung von OERs tracken oder in die Netzwerke von payed Content einblicken u. v. m. Bei einer interessanten Nebendiskussion kam dann die Frage nach Daten und Vertrauen auf.

 Science 2.0 for Citizen Science & Heimatforschung 2.0 (von @jeb_140)

Jens Bemme von der SLUB Dresden aka Herr Silbermann gab in der letzten Session einen Einblick in die Schatzkiste der Bibliothek. Mit Projekten wie digitalisierten Adressbüchern oder dem Virtuellen Kartenforum sprechen sie nun auch ganz andere Kundengruppen an. „Wochenendforscher“, die sich bspw. mit ihren Ahnen auseinandersetzen und nun ganz andere Fragen haben. Wenn sie mit diesen Fragen auf die SLUB zukommen, ist das kein Problem. Aber wie zeigt man ihnen, dass die SLUB überhaupt solche Angebote unterbreitet? Und welche Features brauchen sie dann?

Ich mag ja die SLUB in Dresden, weil hier offenbar verstanden wird, dass es längst nicht mehr um das Ausleihen von Büchern geht. Dennoch besteht weiterhin dieses „Imageproblem“, denn die SLUB wird wohl vor allem als Universitätsbibliothek wahrgenommen. „Wir brauchen in unserer Disziplin keine Bibliotheken, da nur neuere Publikationen zählen und die sind online.“ So oder so ähnlich kennt man wohl die Aussagen von Wissenschaftlern, die sich vorrangig auf SpringerLink etc. bewegen. Umso mehr wird mit Projekten wie „Bürger schaffen Wissen“ um Aufmerksamkeit gerungen. Und diese Aufmerksamkeit verdienen diese Projekte auch.

Organisation und Fazit

Gemessen an EduCamps oder dem BarCamp Hamburg war es eher ein kleines BarCamp einer Special Interest Group. Und dennoch waren die Themen so vielfältig und noch lange nicht allumfassend. Die von der ZBW u. a. bereitgestellte Infrastruktur war genau richtig: Funktionierendes WLAN, Kaffee, genügend und lecker zu Essen, Beamer, Laptops und sogar Moderationskarten und Eddings. Ich fand die Idee mit dem Einführungsvortrag wirklich klasse, denn ein wenig braucht es morgens ja doch um in Gang zu kommen. Als Veranstalter war also alles getan, der Rest lag in der Hand der Teilgebenden. Leider konnte man nicht mehr Sessions besuchen und ich habe noch eine lange Linkliste abzuarbeiten.

Soll man Open Science mit dem Paternoster vergleichen, der in der ZBW zu finden ist? Die Offenheit sorgt für schnellen In- und Ouput und es geht viel schneller, als wenn man auf einen Aufzug warten muss. Dennoch ist es nicht so leicht und erfordert vielleicht sogar etwas Überwindung… Naja, lassen wir das. Das Bild geht ja doch sehr schnell kaputt 🙂

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