Selbstreflexion via H5P Personality Quiz

tl;dr

Mit dem Personality-Quiz kann man Lernenden die Chance geben, sich selbst einzuschätzen. Die unten stehende Vorlage darf gern kopiert und remixt werden (CC BY 4.0 der TH Lübeck).

Selbsteinschätzung unterstützen

Bei der Produktion des MOOCs “Persuasive Design” wurde im letzten Kapitel eine umfassendere praktische Aufgabe gestellt, der Abschluss kam dann aber sehr abrupt und bestand eigentlich nur aus der Evaluation.

Ich war damit nicht zufrieden und statt der üblichen Abschlussfloskeln wollte ich den Lernenden noch einmal die Lernziele des Kurses auflisten, damit sie noch einmal für sich reflektieren können, inwieweit sie diese erreicht haben. Hätte ich aber nur eine Liste der Lernziele erstellt, hätte man aber vermutlich schnell überflogen und nicht so richtig drüber nachgedacht, denn gerade am Ende von so einem Kurs belohnen wir uns ja ganz gern mit dem “endlich fertig”-Gedanken. Daher habe ich noch etwas länger drauf rumgedacht und bin glaube ich zu einer ganz galanten Lösung gekommen.

Es ist kein kreativer Überflieger und bestimmt bin ich nicht die erste, die das so gemacht hat. Aber vielleicht hilft es der einen oder dem anderen bei den eigenen Kursen #sharingiscaring und zumindest sorgt der Blogartikel dafür, dass ich die Vorlage schnell wiederfinde, wenn ich sie brauche 😉.

Umsetzung als Personality-Quiz

So sieht das Ergebnis für den MOOCs “Persuasive Design” aus:

Um ein Personality-Quiz zur Selbstreflexion zu erstellen, bin ich folgendermaßen vorgegangen:

1. “Persönlichkeitstypen” formulieren

Ich wollte für die Reflexion drei Level zur Selbsteinschätzung als Feedback unterscheiden (mindestens 2 sollten es sein). Damit später die Fragen den jeweiligen Typen zugeordnet werden können, braucht man diese ganz am Anfang. Das kann lästig sein, wenn man sich später entscheidet, das Level noch einmal umzubenennen und es bei allen Fragen anpassen muss.

Beispiel: In dem Quiz habe ich diese drei Level als Feedback unterschieden:

Du hast alle Lernziele erreicht…
… die wir für diesen Kurs für Dich geplant haben. Das finden wir richtig klasse!
Aber was ist mit Den Lernzielen, die Du Dir selbst vielleicht zu Beginn des Kurses gesteckt hattest? Unten haben wir ein paar Vorschläge, wie Du damit umgehen könntest.

Du hast einige Lernziele erreicht…
… die wir für diesen Kurs für Dich geplant haben. Das finden wir gut!
Ist es Dir wichtig, alle der von uns vorgesehenen Lernziele zu erreichen? Oder hast Du Dir vielleicht auch eigene Lernziele gesteckt, die Du nicht erreichen konntest? Unten haben wir ein paar Vorschläge, wie Du damit umgehen könntest.

Du hast viele Lernziele gar nicht erreicht…
… das wir für diesen Kurs für Dich geplant haben? Woran liegt das? Schreib es uns bitte in die Evaluation.
Ist es Dir wichtig, alle der von uns vorgesehenen Lernziele zu erreichen? Oder hast Du Dir vielleicht auch eigene Lernziele gesteckt, die Du nicht erreichen konntest? Unten haben wir ein paar Vorschläge, wie Du damit umgehen könntest.

Die Beschreibungen sind in der Zeichenzahl stark eingegrenzt, weshalb ich hier nur ein kurzes Feedback geben konnte und Empfehlungen zur Weiterarbeit drunter schreiben musste (mehr dazu unten). Das ist nicht schlimm, musste ich aber erst erkennen. Ebenso ist diese lange Bezeichnung sehr fehleranfällig, wenn man nicht sauber mit Copy und Paste arbeitet, denn diese Bezeichnungen müssen bei den Antwortoptionen der Fragen angegeben werden. Weitere Umformulierungen waren dadurch nötig, dass mir einige Gedanken zur Auswertung nicht gleich gekommen sind. So hatte ich für die dritte Stufe eigentlich “Du hast keine Lernziele erreicht” vorgesehen. Mir war dann aber aufgefallen, dass dieses Ergebnis auch dann “gewonnen” hat, wenn überwiegend das dritte Level gewählt wurde, aber auch einige Fragen positiver beantwortet wurden.

Bei der Formulierung des Feedbacks war es mir wichtig zu betonen, dass die Lernziele, die wir hier ansetzen, von uns formuliert wurden und den Lernenden ggf. gar nicht wichtig sind. Jede und jeder kann gern selbst entscheiden, ob er oder sie mit dem eigenen Lernstand zufrieden ist. Falls das nicht der Fall ist, machen wir Vorschläge.

2. Lernergebnisse 👉 Fragen

Zu jedem unserer MOOCs gibt es Lernergebnisse (die auf der Kursinfoseite unter “Was kannst du in diesem Kurs lernen?” stehen). Diese habe ich in Fragen umformuliert. Zum Teil habe ich sie in mehrere Fragen aufgeteilt, zum Teil habe ich sie auch sprachlich etwas vereinfacht.

Beispiel: Das Lernergebnis

“Du verstehst die theoretischen Hintergründe von Persuasion und kannst Elemente in der Online-Kommunikation benennen, die diese glaubwürdig und überzeugend erscheinen lassen.”

wurde in die Fragen

“Hast Du die theoretischen Hintergründe von Persuasion verstanden?” und
“Kannst Du einige Elemente in der Online-Kommunikation benennen, die dafür sorgen, dass sie glaubwürdig und überzeugend erscheint?”

überführt.

3. Antwortoptionen formulieren

Zu jeder Frage werden Antwortoptionen formuliert, die zu den Feedback-Leveln passen. In meinem Beispiel also 3 Stufen, die erste sehr optimistisch, die zweite mit kleinen Lücken und die dritte, wenn man etwas gar nicht verstanden haben sollte. Bei den Antworten muss auch konfiguriert werden, auf welche “Persönlichkeitstypen” die Antwort einzahlt.

Dabei habe ich festgestellt, dass es wichtig ist, dass Antworten für das Level 1 auch immer auf Persönlichkeitstyp 2 einzahlen sollten. Folgendes Beispiel soll das verdeutlichen:

Beispiel: Eine Teilnehmerin hat bei 12 Fragen folgende Verteilung in den Antworten:

4 Frage auf Level 1 (alles gut verstanden)
3 Fragen auf Level 2 (einiges verstanden, aber nicht alles)
5 Fragen auf Level 3 (gar nicht verstanden)

Der Mehrheit nach würde das Personality-Quiz zurückmelden, dass man viele Lernziele gar nicht erreicht hat (also Level 3, die Teilnehmerin hätte auch alles auf “nicht verstanden” ankreuzen können und wäre zum gleichen Ergebnis gekommen). Eigentlich hat sie bei der Mehrheit (nämlich 7) der Fragen geantwortet, dass sie diese gut oder teilweise verstanden hat. Passender wäre daher das Feedback, dass sie einige Lernziele erreicht hat. Daher sollten Antworten im Level 1 auch auf das Level 2 mitzählen.

Was sich leider nicht umsetzen lässt (oder es gibt einen Trick, den ich noch nicht erkannt habe) ist, dass tatsächlich eine “absolut keinen Schimmer nirgends”-Antwort, d.h. alles auf Level 3, ein passendes Feedback erhalten würde. Ehrlich gesagt denke und hoffe ich aber, dass man dieses Feedback außer für Testzwecke gar nicht braucht.

4. Vorschläge für weitere Schritte abhängig vom Feedback unterbreiten

Aufgrund der begrenzten Zeichenzahl in der Persönlichkeitstypbeschreibung habe ich die Vorschläge für das weitere Vorgehen unter die H5P-Interaktion gesetzt.

Was kannst Du tun, wenn…

… Du nicht alle Lernziele erreicht hast, die wir für den Kurs gesteckt hatten?
Falls es Dir persönlich wichtig ist, diese Lernziele auch zu erreichen, kannst Du die jeweiligen Lektionen wiederholen so oft Du möchtest. Wenn Du mit Deinem Lernstand zufrieden bist, dann ist das auch in Ordnung. Wenn Du Hilfe brauchst, ist das Forum immer eine gute Anlaufstelle.

… Du nicht alle Lernziele erreicht hast, die Du Dir selbst für den Kurs gesteckt hattest?
Falls das der Fall ist, dann ist alles gut. Aber vielleicht hattest Du noch etwas anderes in diesem Kurs erwartet. Dann gib uns bitte in der Evaluation Feedback dazu. Behalte dazu bitte im Hinterkopf, dass der Kurs bewusst nur einen Einblick in das Thema geben kann.

An verschiedenen Stellen haben wir auf weitere Beispiele und Vertiefungsmöglichkeiten hingewiesen. Wenn Du darüber hinaus noch Informationen oder Lernangebote suchst, mit denen Du Dir bestimmte Themen erarbeiten kannst, ist das Forum immer eine gute Anlaufstelle.

Denk auch daran: das Thema “Persuasive Design” entwickelt sich ständig weiter. Behalte es im Auge, vor allem wenn Du Dir neue Online-Inhalte anschaust!

Eigentlich finde ich das sogar besser so, weil diese Hinweise so auch dann gelesen werden können, wenn man keine Lust auf das Quiz hat. In der Formulierung erkennt man sicher auch hier wieder, dass ich von selbstbestimmten mündigen Lernenden ausgehe. Aus diesem Grund habe ich auch keinen Aktivitätsabschluss aktiviert, der auf TN-Zertifikate oder Badges einzahlen würde.

Was fehlt? Was geht mehr?

Was fehlt

Bei den Antwortmöglichkeiten ist es mir nicht möglich, ein individuelles Feedback zu hinterlegen. Wenn das ginge, könnte man auf die jeweilige Lektion hinweisen, in der das Thema behandelt wurde.

Das geht aber ohnehin nur dann, wenn die Lernergebnisse in bestimmten Kapiteln untergebracht und nicht über den gesamten Kurs hinweg verfolgt werden (bspw. “Du kannst die Funktionale Triade von Fogg erklären” vs. “Du kannst für eine Webseite persuasive Elemente benennen, konzipieren und deren Wirkung begründen”). Dazu ist auch die Pflege dieser Verlinkung eher aufwendig und komplex, daher hätte ich es vermutlich aus produktionsökonomischen Gründen nicht gemacht.

Was mehr geht

Ganz offensichtlich könnte man das Quiz zur Selbsteinschätzung auch an den Anfang des Kurses setzen, um den Lernenden eine Hilfestellung zu geben, ob sie den Kurs bearbeiten sollten. In dieser Form ist es aber eher nicht die beste Lösung, weil bei Antworten auf Level 2 und 3 nicht individuell gesagt werden kann, welche Teile des Kurses dann noch bearbeitet werden sollten. Hier wäre vielleicht ein (unbewertetes) Question-Set hilfreicher.

 

Beitragsbild: Adventure High Mountain von sasint (CC0)

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