Meine Mail an die EU-Abgeordneten: #saveyourinternet für zeitgemäße Bildung

Ich habe heute eine längere Mittagspause gemacht, um via SaveYourInternet die deutschen Abgeordneten angeschrieben und sie gebeten, gegen den aktuellen Entwurf der EU-Urheberrechtsreform zu stimmen. Das hätte sehr schnell gehen können, denn es gibt bereits einen vorformulierten Text. Mir war es aber wichtig, meine Motivation noch einmal gesondert zu formulieren. Nachfolgend stelle ich den Text offen zur Verfügung, gern unter CC0-Lizenz (d.h.; Ihr dürft alles machen und müsst mich nicht nennen oder verlinken), sodass Ihr ihn auch gern übernehmen und abändern könnt (vor allem den Namen und die Positionen 😉 ). Ich habe die Mail in einer leicht abgeänderten Form auch an die aktuellen Gegner der Reform geschickt, um sie darin zu bestätigen, erneut dagegen zu stimmen.

Meine Mail an die deutschen EU-Abgeordneten

 

Betreff: Nein zur aktuellen Fassung der Copyright Reform – auch für die Bildung!

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

Kurze Zusammenfassung: Der aktuelle Entwurf der EU-Urheberrechtsreform bedroht zeitgemäße Bildung im Zeitalter der Digitalisierung. Bitte stimmen Sie dagegen.

Ausführliche Begründung:
Mein Name ist Anja Lorenz und ich arbeite für das Institut für Lerndienstleistungen an der Fachhochschule Lübeck. Ich bin Mitglied beim “Bündnis Freie Bildung”, Vereinsvorsitzende des EduCamp e.V. und betreibe den kleinen Podcast “BldgAltEntf”. Als Juryvorsitzende des OER-Awards haben wir 2016 und 2017 Projekte im Bereich der freien Bildung ausgezeichnet. Ich schreiben Ihnen heute als Privatperson, auch wenn ich mir sicher bin, dass sowohl meine Arbeitgeberin als auch die von mir vertretenen Initiativen und Vereine der gleichen Ansicht sind.

Ich begegne in meinem Beruf und meiner Freizeit Lehrkräften aus unterschiedlichen Bildungsbereichen, von Schulen über Hochschulen zur Berufsbildung, aber auch vielen freiberuflichen Trainerinnen und Trainern und anderen Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten. Mit diesen diskutiere ich sehr viel darüber, wie Bildung im Zeitalter der Digitalisierung aussehen soll und hierbei sind sich alle einig: eine bloße digitale Umsetzung von frontalen Lehrformaten wird keineswegs zu einer besseren Bildung beitragen. Der Begriff “zeitgemäße Bildung” hat sich unter fortschrittlich denkenden Lehrkräfte etabliert, die verstanden haben, dass es bei Bildung im 21. Jahrhundert vor allem um 4 Kompetenzen geht (4K): Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Lehrpläne und Bildungsangebote müssen an diesen Kompetenzen ausgerichtet werden, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu selbstständigen und demokratisch mündigen Menschen aus- und weiterzubilden.

Für dieses Ziel lassen sich digitale Medien hervorragend nutzen, aber nur dann, wenn sie nicht nur passiv konsumiert werden, sondern die Nutzenden die Möglichkeit haben, selbst aktiv und gestaltend tätig zu werden. Die aktuelle Fassung der Urheberrechtsreform insb. Artikel 13 würde das aber verhindern. Um nur drei tolle Plattformen zu nennen, die von Upload-Filtern (als Konsequenz der aktuellen Formulierung) betroffen wären und für es derzeit keine entsprechende Lösung gibt:

  • die Zentrale für Unterrichtsmedien gibt es seit 1997 als gemeinnützigen Verein. Mit dem ZUM-Wiki (https://wiki.zum.de/) und der Plattform ZUM-Unterrichten (https://unterrichten.zum.de/) stellen sich Lehrkräfte gegenseitig Materialien für den Unterricht unter einer freien Lizenz bereit.
  • Tutory (https://www.tutory.de/) stellt ein Autorenwerkzeug zur Erstellung von Arbeitsblättern bereit. Solange man die Ergebnisse hinterher frei zur Verfügung stellt, ist die Nutzung kostenfrei. auf diese Art ist ein bemerkenswerter Pool für viele Arbeitsbereiche entstanden.
  • Memucho (https://memucho.de/) ist eine Plattform zur Erstellung von Lernkarten nach der erfolgreichen Lernkartei-Methode nach Leitner. Dabei kann man auf vorhandene Lernkarten zurückgreifen oder eigene erstellen, die der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

In allen drei Fällen ist es den Nutzenden möglich, eigene Medien (insb. Bilder) hochzuladen und z.T. wird dies sogar über Schnittstellen automatisiert möglich gemacht. Diese drei Plattformen sind auch nicht die einzigen, sollen aber für die Argumentation genügen. Selbstverständlich wird auch hier darauf geachtet, dass keine Urheberrechtsverstöße stattfinden, bspw. indem die Lizenz eingetragen werden muss, oder über die Schnittstellen direkt übernommen werde kann. Dies würde aber nach der aktuellen Formulierung von Artikel 13 nach meiner Einschätzung nicht ausreichen, sodass Upload-Filter (die in dieser Form aktuell technisch noch nicht existieren) nötig sein werden. Können diese Filter aber erkennen, ob bspw. ein Foto von Berliner Reichstag frei Lizenziert ist? Wird hier nicht eine Ähnlichkeitsprüfung zu kostenpflichtigen Fotos anschlagen? Noch einleuchtender wird es mit Musikstücken: wie wird erkannt, um welche Aufnahme es sich handelt, wenn es sowohl eine frei lizenzierte als auch eine geschlossen lizenzierte unter üblichen Copyright gibt?

Artikel 13 in seiner aktuellen Form bedroht solche und andere Szenarien. Ich bitte Sie daher, gegen den aktuellen Entwurf der Urheberrechtsreform zu stimmen.

Mit freundlichen Grüßen
Anja Lorenz

+++ weitere Argumente +++

Der nachfolgende Text wurde freundlicherweise von https://saveyourinternet.eu bereitgestellt, ich nehme an, Sie werden ihn von mehreren Personen erhalten:

After months of debates in the European Parliament, you will soon be asked to vote on the Proposal for a Directive on copyright in the Digital Single Market. Despite the intense debates, not much progress has happened to change the analyses that over 70 Internet experts, the UN Special Rapporteur on Freedom of Expression, NGOs, programmers, and academics have stated repeatedly. More information can be accessed here: https://saveyourinternet.eu/statements/

The explicit or implied upload filters in the text on which you will be voting would push online platforms to have no option but rely on technologies that are error prone, intrusive and legally questionable. Relying on very imperfect algorithms to regulate free speech online will put the diversity of opinions and creative content at risk, and will erode EU citizens’ rights.

Because of all of the above, we are asking you to reject Article 13 of the copyright Directive and to stand with the numerous citizens that have raised their voice against the proposal and to use your vote to #SaveYourInternet.

Sincerely Yours,
Anja Lorenz

…und nun seid Ihr dran

Klickt auf diesen Link und macht das auch: https://saveyourinternet.eu/de/#ActNowMEPs

 

Beitragsbild von PeterBE (CC0)

Ein Gedanke zu “Meine Mail an die EU-Abgeordneten: #saveyourinternet für zeitgemäße Bildung

  1. Danke schön, Anja.
    Ebenso unter gleicher CC0-Lizenz, bitte gern wiederverwenden:

    Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

    Kurze Zusammenfassung: Der aktuelle Entwurf der EU-Urheberrechtsreform bedroht zeitgemäße Bildung im Zeitalter der Digitalisierung. Bitte stimmen Sie dagegen.

    Ausführliche Begründung:

    Mein Name ist Annett Zobel und ich arbeite Geschäftsführerin und Produktmanagerin bei edu-sharing.com und als Community-Managerin bei jointly.info. Ich bin Vereinsvorsitzende des edu-sharing.net e.V., Mitglied bei “ZUM.de” und bei Wikimedia Deutschland e.V. Unser edu-sharing Verein ist Mitglied beim Bündnis Freie Bildung.

    Als Jurymitglied des OER-Awards haben wir 2016 Projekte im Bereich der freien Bildung ausgezeichnet. Im edu-sharing Developer-Team entwickeln wir freie Software für Content-Verwaltung und Content-Sharing. Wir erschließen Content-Quellen, damit Lehrende in ihren Schulcloudsystemen des eigenen Bundeslandes auf gute Lerninhalte zugreifen und diese für den eigenen Unterricht verändern und verbreiten können. Das trägt dazu bei, dass sich zeitgemäße Unterrichtsmethoden verbreiten, beispielsweise indem Lehrende von den angepassten Lerninhalten ihrer Kolleg*innen lernen und die Inhalte wiederum anpassen können.

    Solche Lerninhalte sollte man frei teilen können, ohne unnötige Hürden. Dazu ist es notwendig, dass OER-Plattformen, ähnlich ZUM.de, Serlo, memucho oder unser eigenes OER-Contentbuffet.info frei agieren und nicht von o.g. Artikel 13 eingeschränkt oder auch nur verunsichert werden. Hier werden OER erstellt, gesammelt und verbreitet – bis in die Cloud-Systeme und Lernplattformen unserer Schulen.

    Der Betrieb von OER-Plattformen ist bereits jetzt eine große Herausforderung für zumeist gemeinnützige Vereine, wie ZUM.de, Serlo oder unseren edu-sharing.net e.V.
    Unsere Ressourcen (oft ist es die Freizeit unserer Mitglieder) sind begrenzt. Wir benötigen diese, um die Funktionalitäten zu verbessern und um möglichst ähnlichen Komfort, wie große kommerzielle Akteure, anzubieten zu können. Gesetzesänderungen, wie die jüngste Novelle der DSGVO oder Artikel 13 verursachen erheblichen unproduktiven Aufwand in unseren Organisationen.

    Der Artikel 13 in seiner aktuellen Form bedroht unsere Arbeit für eine offenere zeitgemäße Bildung.
    Bitte bauen Sie keine weiteren Hürden für Offene Lern- und Wissensinhalte auf, helfen Sie, vorhandene Hürden abzubauen. Bitte wirken Sie in die Richtung der Änderung von Geschäftsmodellen weg von Copyrights und hin zu Service. Schaffen Sie Finanzierungsgrundlagen für OER-Produktion und -Pflege – gern von Verlagen – die Ergebnisse sollen bitte frei nutzbar und änderbar sein, damit sich didaktische Innovationen schnell verbreiten.
    Bitte machen Sie mit der Ablehnung von Artikel 13 einen Schritt in diese Richtung.

    Ich bitte Sie, gegen den aktuellen Entwurf der Urheberrechtsreform zu stimmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Annett Zobel

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