Na da drängelt sich Google+ ja gerade zu für den zweiten Themenblock im SOOC1314 auf: Welche persönlichen Rahmenbedingungen und Konsequenzen hat denn das Lernen und Lehren mithilfe von Social Media? Dabei stellt sich einerseits die Frage, was passiert, wenn man Social Media einsetzt. Aber es gibt auch die Gegenseite: was passiert, wenn man nicht mitspielen darf und von Social Media ausgeschlossen wird? Genau das erlebe ich gerade selbst. Aber machen wir das Beste draus und halten das als Input für den Themenblock II fest (also liebe Teilnehmende: wenn wir noch im ersten Themenblock sein sollten, dann wartet vielleicht noch etwas ab).
Der rote Balken
Am 13.11. hatte mein Google+Profil einen seltsamen roten Balken:
Da stand:
Ihr Profil wurde gesperrt, da es die Identität einer anderen Person vortäuscht.
Wie bitte? Aber ich bin doch ich? Gut, gefühlt heißen mindestens 5 Personen pro Stadt wie ich (ich hatte sogar eine andere Anja Lorenz im gleichen Studiengang, die Lehrenden hatten es hier nicht leicht), Anja Lorenz ist halt ein Sammelbegriff und kein richtiger Name ;). Vielleicht hat Google+ ja festgestellt, dass es den Namen mehr als einmal gibt, das wäre ja eine Meisterleistung…
Einspruch!
Ohne zu zögern klickte ich auf den Button “Maßnahmen ergreifen” um dagegen vorzugehen. Dort erklärte man mir die Namensregeln von Google+ und dass ich bitte meinen Klarnamen angeben soll. Aber ich habe ja nur diesen einen! Also musste ich Einspruch erheben. Dieser war schnell erstellt. Dazu sollte ich ein paar Links zu Profilen hinterlassen, die mich mit diesem Namen zeigen. Damit hatte ich kein Problem: Meine Mitarbeiterseite, mein Xing-Profil, mein LinkedIn-Profil… das alles sind sicher keine neuen Informationen für Google, hätten die auch “googeln” können.
Nach einigen Stunden kam eine Mail (Hervorhebungen durch mich):
“Guten Tag,
wir haben Ihren Einspruch überprüft, sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass Ihr Name nicht den Google+ Namensrichtlinien entspricht.
Damit sich unsere Nutzer gegenseitig leicht finden können, setzen wir voraus, dass Sie den Namen verwenden, unter dem Ihre Freunde, Verwandten und Kollegen Sie im richtigen Leben kennen. Meist ist dies der bürgerliche Name oder eine Abwandlung davon. Da dies jedoch nicht unbedingt bei jedem Menschen so ist, sind auf Google+ auch andere Klarnamen zulässig, insbesondere solche, unter denen Sie online einer größeren Anzahl von Menschen bekannt sind. Falls noch nicht geschehen, können Sie uns zusätzliche Informationen zu einer solchen Identität senden. Hierzu legen Sie erneut Einspruch ein und geben dabei Quellen an, aus denen hervorgeht, dass Sie online bzw. offline unter dem gewünschten Namen bekannt sind.
Falls Sie versuchen, eine Seite für ein Unternehmen, eine Band oder eine sonstige Gruppe von Menschen einzurichten, erstellen Sie bitte ein persönliches Profil unter Ihrem eigenen Namen und darüber dann eine Google+ Seite. Wenn Sie versuchen, einen anderen Namen zu verwenden, z. B. einen Spitznamen, einen Mädchennamen oder einen Namen in einem anderem Schriftsystem, melden Sie sich ebenfalls zunächst mit Ihrem vollen bürgerlichen Namen an. Den anderen Namen können Sie anschließend in Ihrem Profil ergänzen. Er wird dann neben Ihrem bürgerlichen Namen angezeigt.
Falls noch nicht geschehen, können Sie als nächsten Schritt erneut Einspruch einlegen und uns dabei die erforderlichen Zusatzinformationen senden. Wenn Sie Google+ bereits nutzen, wird weiterhin Ihr bisheriger Name verwendet.
Ihr Google+ Team”
Was blieb mir übrig, als den Einspruch zu verstärken und weitere Profile einzusenden. Kein Erfolg. Erst als ich einen Scan von einem älteren Personalausweis eingereicht hatte, der noch auf meinem Rechner lag, wurde mein Account wieder freigeschalten.
Insgesamt war ich also ca. 1,5 Tage out of Google+. Stellt Euch mal vor, Euch passiert das dauernd und nicht nur in der digitalen Welt. Ach halt, da kenne ich ja jemanden!
Name Unbekannt
Über Twitter und vor allem auf EduCamps habe ich Melanie kennengelernt. Sie macht irgendwas mit Wikis und Schule ;), ist ein sehr sympatischer Mensch und hat ab und an Probleme mit ihrem Nachnamen, obwohl sie ihn eigentlich sehr mag (glaube ich): Sie heißt “Unbekannt”.
Am Anfang hielt ich das auch für einen Witz oder ein Pseudonym, aber es ist tatsächlich ihr Nachname. Sie sagte mir aber auch, dass sie öfter Probleme damit hat und sie kennt auch das Phänomen, von Social Media ausgeschlossen zu sein. Hier und hier hat sie Ihre Erlebnisse mit Account-Sperren auf Facebook verblogt. Darin schreibt sie auch, dass ihr das auch auf Xing passiert ist und sie zudem auch häufig in der analogen Welt Probleme hat (Quelle):
- “Warum kann ich kein Taxi bestellen?
- Warum ist der Pizzadienst nicht für mich zu nutzen?
- Warum wird trotz zeigen des Personalausweises eine Bluse bei P&C nicht bestellt?
- Warum muss ich am Flughafen zur Bundespolizei und meine Identität überprüfen lassen?”
Ich kann sie gerade ein bisschen besser verstehen. Ich habe zwar eher das gegenteilige Problem: Ich bekomme Nachrichten für andere “Anja Lorenz”. Und mich rufen Menschen wegen anderen “Anja Lorenz” an. Nicht zu oft, aber so einmal alle zwei Monate landet mindestens eine Mail in meinem Postfach, die mich nicht meint und offensichtlich kein Spam ist. Ich habe schon eine Vorlage im Quicktext, um darauf zu antworten…
Welche Konsequenzen hatte die Account-Sperre?
Während meiner Sperre konnte ich zwar die Posts meiner Kreise noch lesen, aber weder selbst welche schreiben, noch kommentieren und auch nicht plussen. Und das, nachdem ich mich sehr gefreut hatte, dass die SOOC1314-Teilnehmenden nach einem kurzen Ausflug in Facebook eine Google+Community gegründet hatten. Um die konnte ich mich nun leider nicht kümmern. “Lehren mit Social Media” nicht möglich. Andererseits war ich ein wenig erleichtert, dass es “nur” Google+ und nicht den gesamten Account sperrte, d.h. auch GMail, GDrive, Hangouts – damit hätte ich ernsthafte Probleme gehabt: vor allem in GDrive habe ich mit verschiedenen Kollegen geteilte Ordner, in der wir bspw. auch Publikationen vorbereiten. Auch im SOOC-Team sammeln wir dort bspw. Literatur und auch alle Protokolle der SOOC-Selbsthilfegruppe wöchentlichen SOOC-Team-Meetings (via Skype) führen wir dort.
Aber so konnte ich etwas über meine Situation nachdenken: Eigentlich ist das doch einfach wieder wie 1.0. Ins Netz kann nur reinschreiben, wer Berechtigungen und Kompetenzen hat. Vor dem Mitmachnetz/Read-Write-Netz war das Read-Only-Netz und nur wenige konnten Inhalte einstellen. Die anderen schauen zu. Viele Internetnutzer sagen, sie seien gar nicht im Web 2.0 zu Hause. Wirklich? Nur lesen? Ist das nicht langweilig?
Mich hat vor allem gestört, dass alle mitspielen dürfen AUßER mir. Und so war das schon eine enorme Einschränkung, die ich auch als diese empfunden habe. Ich musste auf einmal E-Mailadressen heraussuchen und konnte Posts auf Google+ zwar lesen, aber nicht mit anderen teilen. Als würde ich hinter einer Glasscheibe zuschauen, hinter der mich keiner sieht und hört…

Izzie behind glass von WatSuanDok (CC-BY), auch Beitragsbild
23. November 2013 um 9:55 Uhr
Spannende Erzählung!
Mein erster Gedanke war: Was, wenn das eine (neue) Masche von Google ist, um herauszufinden welche Profile tatsächlich zu dir gehören, um dich besser analysieren zu können? Scheint ja nicht so abwegig, wenn es tatsächlich derartig viele Personen gibt, die Anja Lorenz heißen 🙂 Vielleicht merkt man es daran, dass die nächsten Personen-, Such- oder Warenvorschläge viel besser zu dir und deinen Interessen passen?
Mein zweiter Gedanke war: Ist es gut, wenn man so abhängig von diesen Angeboten ist, dass 1,5 Tage Abstinenz/nur-zuschauen-dürfen (auch wenn fremdverschuldet) so unangenehm ist, dass wir alles versuchen, um wieder dabei sein zu können?
Google ist ein ziemlich großer Konzern und mischt sich bereits jetzt in viele unserer Lebensbereiche ein, betrachtet man z.B. die ganze Palette der Angebote (Browser, Soziales Netzwerk, Suchmaschine, Dokumenterstellung und -teilung, Kalender, u.s.w.). Mit neuen Entwicklungen wie dem GoogleGlas (dauert best. noch etwas mit der flächendeckenden Einführung;) ) oder dem Google Nexus (superbillige Smartphones und Tablets) steigert sich dieses Eindringen nur noch einmal. Ein Gerät, das Google-Software in sich trägt – ich möchte nicht wissen, welche Informationen da wohin gehen. Auch wenn Google offiziell vielleicht nicht als Monopol gehandhabt wird, finde ich dass ziemlich viele Informationen über eine Person in der Hand eines Konzerns liegen.
Tschuldigung für diesen dystopischen Kommentar. Beschäftige mich gerade intensiv mit ubiquitären und algorithmischen Medien 😉
Viele Grüße
Katrin
23. November 2013 um 13:15 Uhr
Zum ersten Gedanken: Ja das kann schon sein. Da ich aber überall das selbe Profilbild verwende, hätten sie das einfacher haben können bzw. erhalten damit keine neuen Informationen, kann aber sein, dass das bei anderen durchaus klappt bzw. das “nicht selbst googeln müssen” auf die Masse gerechnet sinnvoll sein kann.
Zum zweiten Gedanken: Das mit der Abhängigkeit ging mir auch durch den Kopf. Zwar weniger bei Google+, aber wenn der Gesamtaccount gesperrt wäre — von Kalender bis GDrive — das wäre übel gewesen. Aber mit dieser Unsicherheit müssen wir wohl leben, bzw. wäre es bei anderen Anbietern nicht anders. Das wird wohl Teil unseres Lebens bleiben…
25. November 2013 um 13:04 Uhr
Ich musste sofort an diesen Artikel von Sascha Lobo denken: Euer Internet ist nur geborgt… Gut, wenn man eine eigene Website hat.
Grüße
Markus
6. Dezember 2013 um 11:54 Uhr
Mir wären Kontosperrungen relativ egal. Erstelle ich halt ‘n neues. Ich habe ohnehin nur echte Freunde/Bekannte auf den entsprechenden Freundeslisten – die sind ruckzuck informiert. Und wenn es gar nicht mehr ginge – na und? Ich habe Telefon und auch ‘n Briefkasten. Obwohl ich fast täglich Soziale Netze nutze, kann ich auch problemlos darauf verzichten. Habe ich auch schon gelegentlich monatelang getan. Ist doch eh alles nur zeitverschwendender Spielkram.
7. Dezember 2013 um 1:54 Uhr
Hmm, was soll ich dazu sagen. Es darf ruhig jeder seine Zeit so verschwenden, wie er/sie es für richtig hält… Wir haben einige der Live-Referenten im SOOC über Google+ “rekrutiert”.