Am Sonntag war das siebte JuniorLab, das meine Familie und ich über den Digital Learning Campus angeboten haben. Und wie nach jedem JuniorLab (ohne Ausnahme!) habe ich anschließend Support-Tickets für unsere eigene Plattform quasi an mich selbst geschrieben.

Helpdesk-Ticket, dass ein User nicht gefunden hat, wo man die Buchung stornieren kann.

Beispiel für ein Helpdesk-Ticket: Jemand konnte sich nicht abmelden.

Das klingt zunächst vielleicht nicht positiv für unsere Entwicklungsarbeit, aber eigentlich ist genau das Teil unserer Qualitätssicherung.

Ich bin nicht nur Teil des Entwicklungsteams

Wir entwickeln am Institut für Interaktive Systeme (ISy) der TH Lübeck die digitale Plattform des Digital Learning Campus Schleswig-Holstein. Über den DLC können Lernangebote von allen Menschen gefunden und gebucht werden: vor Ort an inzwischen zahlreichen Lernorten in Schleswig-Holstein, aber auch online.

Ich arbeite selbst in diesem Projekt. Ich beschäftige mich mit Anforderungen, Prozessen, Moodle-Kursen, Formularen und all den anderen Dingen, die man so braucht, damit für die vielen tollen Lernangebote im ganzen Land eine gut nutzbare Plattform entsteht, die Menschen tatsächlich benutzen können.

Aber ich bin gleichzeitig auch Bürgerin in Schleswig-Holstein. Und damit ziemlich genau Zielgruppe des DLC. Ich kann auf dem DLC nach Lernangeboten suchen, mich anmelden und Kurse besuchen. Und weil grundsätzlich auch Bürger:innen selbst zu Anbieter:innen werden können und ich das DLC-Trainer:innen-Programm absolviert habe, kann ich dort auch eigene Lernangebote einstellen.

Und das mache ich mit dem JuniorLab.

Das JuniorLab als Praxistest

Gemeinsam mit meiner Familie biete ich im FabLab Lübeck das JuniorLab an. Etwa einmal im Monat öffnen wir das FabLab für Kinder und ihre Begleitpersonen und machen gemeinsam Dinge. Meist läuft es darauf hinaus, dass die Kinder etwas malen, wir lasern es aus Holz aus, und sie können es anmalen und mit Glitzersteinen bekleben, z. B. Figuren für Lichtschalter, Anhänger in Ostereiform, Windspiele, Sonnenfänger, Namenswimpel oder am Sonntag Teelichthalter für den Herbst.

Das Kind hat etwas gezeichnet, wir haben es ausgelasert (Grundformen für Teelichthalter)

Aus einer Kinderzeichnung wird ein Teelichthalter

Wichtig ist uns dabei vor allem, dass Kinder hier nicht nur zuschauen und die Geräte vorgeführt bekommen, sondern selbst ausprobieren, gestalten und herausfinden können, wie Dinge funktionieren.

Verschiedene Ergebnisse aus dem JuniorLab

Verschiedene Ergebnisse aus dem JuniorLab

Für das JuniorLab nutze ich den DLC: Dort veröffentlichen wir die Termine, machen das Angebot bekannt und organisieren die Anmeldungen. Inzwischen gibt es auch noch zusätzlich eine Projektbibliothek als Online-Lernangebot, in dem die Anleitungen aus den JuniorLab-Projekten landen.

Screenshot vom JuniorLab auf dem DLC

Screenshot vom JuniorLab auf dem DLC

Und ja: Mein Konzept von Work-Life-Balance hat offenbar Verbesserungspotenzial. 😉

Und das meine ich auch deshalb, weil jedes Mal auch etwas in die Entwicklungsarbeit zurückfließt. Das JuniorLab zwingt mich regelmäßig dazu, den DLC nicht nur mit meiner Projektbrille zu betrachten, sondern die Plattform tatsächlich zu benutzen: Ich lege einen neuen Termin an. Ich schaue, wie viele Plätze noch frei sind. Ich ändere Informationen. Ich sehe die Anmeldungen. Nach dem Termin trage ich Teilnehmende nach, die spontan gekommen sind. Eltern erzählen mir, wenn sie bei der Anmeldung Probleme hatten. Und ich bekomme dort auch mit, welche Informationen sie gesucht und nicht gefunden haben.

Und ziemlich zuverlässig entsteht daraus mindestens ein Support-Ticket. (Ich weiß gar nicht, ob es einmal nur ein Ticket gewesen ist.)

Eat your own Dog Food

Für dieses Prinzip gibt es in der Softwareentwicklung den Ausspruch „Eat your own Dog Food“: Wer ein Produkt entwickelt, sollte es auch selbst benutzen. Irgendwo habe ich dafür auch das Konzept „Kunde Null“ aufgeschnappt, ich finde dazu aber nur Anwendungen und keine Erklärungen im Internet (natürlich erklärt mir jedes LLM, dass es so ist, aber die genannten Quellen waren dann nur welche, in denen das Wort angewandt wurde).

Betriebsblind bin ich deswegen leider immer noch viel zu sehr: Ich weiß viel zu viel darüber, wie der DLC funktioniert, was wir uns dabei gedacht haben, warum bestimmte Dinge so umgesetzt wurden und was sich hinter einem Button verbirgt. Auch durch das JuniorLan kann ich mich nicht wirklich in eine Person hineinversetzen, die zum ersten Mal auf der Plattform landet. Aber ich lerne unsere Plattform aus einer weiteren Perspektive kennen, und nicht nur aus Tickets, User Storys, Konzeptpapieren und Besprechungen.

Zwischen „Wir haben eine Funktion umgesetzt“ und „Ich muss diese Funktion gerade selbst benutzen, weil mich jemand aus der Kita gefragt hat, ob sie noch teilnehmen können, obwohl der Termin schon ausgebucht ist“, liegt ein großer Unterschied.

Plötzlich fallen mir Dinge auf, die im Konzept völlig einleuchtend waren und/oder gar nicht hinterfragt wurden. Ein zusätzlicher Klick nervt beim ersten Test vielleicht nicht, beim siebten JuniorLab aber schon. Eine Bezeichnung ist für uns im Projekt völlig klar, aber eine Teilnehmerin versteht darunter etwas anderes. Ein Sonderfall wirkt in der Entwicklung ziemlich exotisch und konstruiert, bis man selbst genau dieser Sonderfall ist.

Support-Tickets sind keine Probleme in einem Entwicklungsprojekt

Natürlich wäre es schön, wenn ich nach einem JuniorLab irgendwann überhaupt kein Ticket mehr schreiben müsste, aber vielleicht war ich dann auch einfach nicht aufmerksam genug. Der DLC ist ein Entwicklungsprojekt. Die Plattform soll sich weiterentwickeln. Dass bei echter Nutzung Dinge auffallen, ist deshalb für mich kein Fehler im Prozess, sondern Teil des Prozesses.

Das JuniorLab ist dabei natürlich nur ein winziger Ausschnitt der Nutzung. Ich bin keine repräsentative Nutzerin, unsere Familien sind keine repräsentative Stichprobe und sieben Termine ersetzen keine systematische Evaluation. Das sollen sie auch gar nicht. Aber sie sorgen dafür, dass zumindest ein Teil unserer Entwicklung regelmäßig mit der Realität kollidiert und ich meinem Team User-Storys liefern kann, die nicht nur „Geschichten aus dem Paulanergarten“ sind. Die sind vielleicht nicht spektakulär, aber echt.

Deshalb werde ich vermutlich auch nach dem achten JuniorLab wieder Tickets schreiben. Und nach dem neunten. Mein Team wird sich freuen (oder nicht, je nach Tagesform) 🙂 Aber der DLC wird dadurch hoffentlich ein kleines bisschen besser.