Wenn ich richtig gezählt habe, war das OERcamp in Erkner (28.–30.08.2026) mein 14. OERcamp. Und nein, ich habe mich nicht verschrieben, ich meine wirklich nur die reinen OERcamps. Ich war auch noch auf zig anderen BarCamps und auch noch auf zwei OERcamp‑Werkstätten. Man sieht also leicht: Ich mag das OERcamp, weil ich dort viele Menschen wiedersehen und neu kennenlernen kann, die in ihrer Grundhaltung zur Bildung oft ähnlich ticken, wie ich (oder mit denen man konstruktiv darüber reden kann, warum das nicht so sein sollte). Aber deswegen fahre ich nicht zum OERcamp (ich könnte dann auch nur schlecht argumentieren, warum das Arbeitszeit sein soll), sondern weil dort viele Themen zusammenkommen, die mich in meiner Arbeit beschäftigen: Qualität von Bildungsmaterialien, Plattformarchitekturen, KI-Einsatz im Bildungsbereich, Förderpolitik, nebenbei auch Workshopmethoden (so wie in diesem Jahr während der Vorbereitung: wie man einen Zettel so faltet, dass er an einer Pinnwand besser funktioniert).

Mein Workshop: Wann sind OER eigentlich veraltet?

Am Freitagnachmittag hatte ich selbst einen Workshop rund um die Frage: „Wann ist ein OER eigentlich veraltet?“.

Dass OER veralten können, taucht immer wieder als Argument auf, wenn über Qualität gesprochen wird (als würde das nicht für alle Lernmaterialien gelten). Aber woran erkennt man das eigentlich? Alte Jahreszahlen bei Abgabeterminen sind offensichtlich. Schwieriger wird es bei veralteten Begriffen, Screenshots, Links, Statistiken, Personen, Software, didaktischen Annahmen oder Kontexten.

Die Frage ist für uns am Institut für Interaktive Systeme (ISy) nicht nur theoretisch. Für den CourseReChecker wollen wir ein Moodle-Plug-in entwickeln, das dabei hilft, möglicherweise veraltete Inhalte aufzuspüren. Bevor man so etwas automatisiert erkennen kann, sollte man allerdings wissen, wonach man überhaupt sucht. Genau das haben wir im Workshop gesammelt, sortiert und diskutiert. Erstaunlich analog: auf Papierzetteln an Pinnwänden. Eine Auswertung und Material dazu folgen noch, versprochen!

Und hier bin ich auf eine Kleinigkeit fast übertrieben stolz: Die Zettel ließen sich so falten, dass zunächst nur die Kategorie zu sehen war und man sie bei Bedarf aufklappen konnte. Usability kann ich also offenbar auch in Papier. 😁

Doku-Zettel offen und geknickt

Knick-Prototypen für meinen Workshop

Samstag endlich: BarCamp-Tag

Am Samstag folgte das eigentliche Highlight: Barcamp. Rund 40 Sessions und entsprechend viele Entscheidungen, wo man hingeht und was man leider verpasst.

Start des OERcamps, auf der Slide steht UNgewöhnlich

Frank beim Start des OERcamps am Samstag

Ich habe selbst eine Session zum Digital Learning Campus (DLC) Schleswig-Holstein angeboten. Nach einer kurzen Einführung haben wir uns einfach an den Fragen der Teilnehmenden entlanggehangelt: Wer darf auf dem DLC Lernangebote erstellen? Wer finanziert das eigentlich, womit  und wie lange? Welche Systeme und Plattformen stecken dahinter? Wie haben wir die Plattform aufgebaut? Und natürlich: Wo hakt es (darüber kann ich ja immer am besten sprechen, weil ich die Baustellen direkt vor der Nase habe)?

Spannend fand ich außerdem die KI-gestützte Dokumentation des OERcamp. Wir experimentieren selbst mit einem ähnlichen Ansatz für Veranstaltungsdokumentationen, dem SummarAIzer und haben diesen bspw. schon beim University:Future Festival 2026 eingesetzt. Das OERcamp-Team hat ein Set-up nach Simon Dückert gewählt (Details in diesem Podcast). Beide Lösungen sind Open Source, wir können also gut voneinander lernen und Lösungen übernehmen. Ich bin mittlerweile noch einen Schritt weiter an der Frage dran, was wir aus der KI-gestützten Doku erstellen können: Sei es einen Podcast für den Nachhauseweg zu allem, was man verpasst hat, oder einen Online-Kurs passend zu einem Workshop. Gleichzeitig hängen daran natürlich Fragen zu Datenschutz, Ressourceneinsatz und Transparenz. Da denke ich bestimmt weiter drauf herum.

Abends gab es noch ein spontanes Improtheater. Das war nach so einem intensiven Barcamp-Tag wirklich entspannend. Danke, Rika!

Einblicke in das AIS: KI-Einsatz im Unterricht

Am Sonntag habe ich unter anderem das AIS kennengelernt, ein KI-gestütztes Lernsystem der Länder, entwickelt von der FWU. Ich bin da ja eher skeptisch, wenn man eine zu komplexe Lösung bereitstellt, statt einzelne gute Werkzeuge, die dann sinnvoll kombiniert werden. Ich befürchte so eine Silicon-Valley-Variante der Sprachlabore, also ein System, das Kindern auf dem Tablet pseudo-personalisiert sagt, was sie als Nächstes machen sollen, und am Ende schauen die Kinder jeweils in ihr Tablet und sich nicht gegenseitig in die Augen. Das entspricht nicht unbedingt meiner Vorstellung von zeitgemäßem Lernen.

Die vorgeführte Variante zeigte ein Fallbeispiel zu Mathematik (Bruchrechnen) und betonte, dass es nicht Ziel sei, dass die Lehrenden nur noch damit arbeiten. Es war von erst einmal 1h pro Woche als Empfehlung die Rede, oder von einer Vertretungsstunde oder für zu Hause.

Das hat durchaus Potenzial in diesem Anwendungsfall. (Und sind wir ehrlich: Lehrkräfte, die aus Bequemlichkeit ode Gehorsam lieber nur auf das AIS setzen, die würden auch aktuell keinen abwechslungsreichen Unterricht machen und bspw. nur ein Lehrbuch von vorn bis hinten durcharbeiten.) Besonders interessant finde ich, dass das Tool auf einen definierten Materialpool zurückgreift und anbietet, die Materialien selbst (zunächst?) unangetastet bleiben. Gleichzeitig würde ich mir genau dort noch mehr Adaptivität wünschen: Man könnte Material beispielsweise in Leichte Sprache überführen oder anders zugänglich machen. Und ich würde gern noch stärker das gemeinsame Lernen ermöglichen. Personalisierung muss ja nicht bedeuten, dass alle allein lernen.

Was bleibt?

Vor allem sehr viele Gespräche mit Menschen, von denen ich viele schon lange kenne und andere, die ich gerade erst kennengelernt habe; über Plattformen und Content, KI und OER, Förderung und Politik und darüber, wie offene Bildung in Deutschland weitergehen kann.

Und dann war da noch eine Ankündigung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe:

2027 soll es wieder einen OER-Award geben. 🎉

Ich durfte 2016 und 2017 Jury-Vorsitzende der damaligen OER-Awards sein. Danach war zehn Jahre Pause (das sieht man den Webseiten leider auch an, aber immerhin gibt es sie noch). Dass wir 2027 vielleicht wieder herausragende OER-Projekte sichtbar machen und würdigen können, finde ich ziemlich cool!

Also: Danke ans OERcamp-Team für drei intensive Tage, für eine wirklich gute Organisation und fabelhaftes Ambiete (ich sage nur: Buttonmaschine, mOERch zum Selbstdrucken, Makramee, Stickertauschplatz u. v. m.), gutes Essen und sehr viele Gelegenheiten zum Reden, Denken und Weiterdenken.