{"id":156,"date":"2011-05-16T01:49:13","date_gmt":"2011-05-15T23:49:13","guid":{"rendered":"http:\/\/anjalorenz.wordpress.com\/?p=156"},"modified":"2011-05-16T01:49:13","modified_gmt":"2011-05-15T23:49:13","slug":"was-ist-denn-nun-eigentlich-social","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/secret-cow-level.de\/wordpress\/2011\/05\/was-ist-denn-nun-eigentlich-social\/","title":{"rendered":"Was ist denn nun eigentlich &#8222;social&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>Nach einer Diskussion mit Kollegen und jetzt auch durch das Thema Social Learning beim <a href=\"http:\/\/blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de\/opco11\/\">#opco11<\/a> stellt sich f\u00fcr mich immer wieder die Frage: Ab wann ist denn etwas &#8222;social&#8220;?<\/p>\n<h2>Bestandsaufnahme<\/h2>\n<p>Ich habe mal in meinen Delicious- und BibSonomy Tags geschaut, was ich eigentlich so f\u00fcr &#8222;social&#8220; halte. Ich unterscheide bei meinen Tags dabei folgende Untergruppen:<\/p>\n<blockquote><p>Social Capital, Social Bookmarking, Social Learning, Social Media, Social Network, Social Software, Social Tagging<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei ist die Frage aber eigentlich falsch gestellt, denn schon die Entscheidung f\u00fcr diese Tags habe ich (vor allem bei Delicious) nicht allein getroffen. Die Nutzer, die vor mir einen Bookmark gespeichert haben, die haben mich dabei schon ein ganzes St\u00fcck beeinflusst, indem mir die von ihnen h\u00e4ufig verwendeten Tags vorgeschlagen wurden.<\/p>\n<h2>Bleibt alles anders? Social Software vs. Groupware, Social Tagging vs. Folksonomy<\/h2>\n<p>Nun ist es aber so, dass die Wortverbindungen mit &#8222;Social&#8220; ohnehin erst in den letzten Jahren in meinen Sprachgebrauch \u00fcbergegangen sind. Vorher war immer alles &#8222;kollaborativ&#8220; und statt Social Software gab es Groupware. Aber was ist heute anders?<\/p>\n<p>Dazu meinen <a href=\"#Koch\">KOCH &amp; RICHTER (2008, S. 20)<\/a>, dass das Neue an Social Software vor allem der Bottom-Up-Ansatz und die damit gr\u00f6\u00dfere Anzahl der Nutzer ist. Dabei stehen die Unterst\u00fctzung von Communities und sozialen Netzwerken im Vordergrund: Die Systeme stellen zwar nette Funktionen bereit, geben aber nicht vor, wie diese eingesetzt werden sollen. Klassische Groupware (Ihr wisst schon: <a href=\"http:\/\/public.bscw.de\/\">BSCW<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Microsoft_Exchange_Server\">MS Exchange<\/a>, <a href=\"http:\/\/sharepoint.microsoft.com\/\">Sharepoint<\/a> usw.) ist dagegen schon auf die konkrete Unterst\u00fctzung von Teams ausgerichtet, die Top down organisierten werden (= es gibt Rollen \/ Funktionen zur Administration und hierarchischen Aufgabenverteilung).<\/p>\n<p>Eben dieser Richtungswechsel ist auch bei den Systemen zu erkennen, die Social Tagging zur Verschlagwortung verschiedener Ressourcen einsetzen, also Social-Bookmarking-Systeme, wie <a href=\"http:\/\/www.delicious.com\/\">delicious<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.diigo.com\/\">diigo<\/a>, oder Media-Sharing-Dienste, wie <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\">flickr<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\">youtube<\/a>: Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Taxonomien, also vordefinierten Ordnungskatalogen, in die Ressourcen eingepflegt werden mussten, legen die Nutzer die Begriffe fest (vgl. <a href=\"#Golder\">GOLDER &amp; HUBERMANN 2005, S. 1<\/a>; <a href=\"#Schmidt\">SCHMIDT 2006, S.43<\/a>; <a href=\"#VanderWal\">Vander Wal 2007, Folie 18<\/a>).<\/p>\n<p>Ich will das jetzt hier nicht weiterf\u00fchren, sondern nur noch mit einem Verweis auf den Beitrag von Stephen <a href=\"#Downes\">DOWNES (2005)<\/a> best\u00e4tigen, dass das Social Learning oder e-Learning 2.0 ebenfalls auf den Bottom-Up-Ansatz baut.<\/p>\n<div>\n<h2>Social hei\u00dft demnach&#8230;<\/h2>\n<p>Man k\u00f6nnte jetzt kurz abhandeln: Social ist die \u00dcbersetzung von kollaborativ f\u00fcr Anarchisten oder <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Edupunk\">Edupunks<\/a>. Das mag f\u00fcr die Anfangsphase stimmen, in der Facebook noch ein digitales Poesiealbum f\u00fcr Studenten war, aber mittlerweile l\u00e4sst sich diese Aussage nicht mehr so einfach treffen. Social [Software; Media; Networks;&#8230;] werden zunehmend auch in Organisationen eingesetzt und sind somit der Grundstein f\u00fcr das Enterprise-2.0-Leitbild. Ich will mich also vorsichtig herantasten:<\/p>\n<h3>These 1:\u00a0 Social hei\u00dft, den Nutzer entscheiden zu lassen, wie er teilnehmen m\u00f6chte<\/h3>\n<p>Die Grundlage von Social Software ist die Offenheit f\u00fcr verschiedene Nutzungsarten, oft auch gleichzeitig. Dabei ist man aber auch ein ganzes St\u00fcck f\u00fcr das Ergebnis verantwortlich: Die typischen Argumente von Kritikern, die hinter Twitter ein Werkzeug zur statistischen Auswertung vom Kaffeekonsum vermuten, best\u00e4tigen sich nat\u00fcrlich dadurch, wenn man &#8222;den falschen Leuten&#8220; folgt. Ebenso habe ich bisher noch keinen Mehrwert von <a href=\"http:\/\/www.diigo.com\/\">Diigo<\/a> gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/www.delicious.com\/\">delicious<\/a> erkannt, weil ich (bisher) noch keine sinnvollen Einsatzszenarien f\u00fcr Listen und Gruppen etc. dort erschlossen habe und dann doch die Geschwindigkeit und Einfachheit von delicious vorziehe.<\/p>\n<p>Um das Ganze auf das Social Learning zur\u00fcckzuf\u00fchren: Alle Teilnehmer m\u00fcssen in einem gewissen Ma\u00dfe Einfluss auf die Gestaltung des Lernprozesses haben. Damit w\u00fcrden Vortr\u00e4ge, bei denen man nur die M\u00f6glichkeit zum Zuh\u00f6ren hat, nicht als Social Learning eingeordnet werden (ich w\u00fcrde zu- oder wegh\u00f6ren nicht als eigene Gestaltung bezeichnen). Wenn ich aber mit anderen dar\u00fcber diskutieren kann, z.B. per Twitter, Etherpad, Chat oder kleinen gekritzelten Zetteln, die hin- und hergehen wie in der Schule, dann schon. Die Teilnehmer k\u00f6nnen Fragen stellen, Meinungen, weiteres Wissen und Interpretationen teilen und diskutieren und haben die Chance auf ein besser reflektiertes Ergebnis \u2013 tragen aber auch das Risiko, sich festzuquatschen, nicht voranzukommen oder Aspekte unbeleuchtet zu lassen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"magicdomid156\">\n<div id=\"magicdomid158\">\n<h3>These 2: Kommunikation, die transparent ist und sich einfach initiieren l\u00e4sst, ist Social<\/h3>\n<p>Zur\u00fcck zur Groupware: auch hier gibt es Werkzeuge zur Kommunikationsunterst\u00fctzung: Chats, Foren, Nachrichtensysteme, Gruppenkalender etc. Diese bestehen aber nebeneinander und m\u00fcssen zur Initiierung der Kommunikation explizit ge\u00f6ffnet werden. In Social Software werden dagegen Aktivit\u00e4ten und Kommunikation weitestgehend zusammengef\u00fchrt: Nutzer k\u00f6nnen direkt, z.B. per Kommentar oder @-Reply angesprochen werden, Nachrichten k\u00f6nnen selbstverst\u00e4ndlich eingebettete Links, Grafiken oder Videos enthalten, Diskussionen lassen sich nachverfolgen und Themen werden per Hashtag gruppiert \u2013 und das ohne, dass ich irgendwelche speziellen Adressdaten der anderen Nutzer brauche, es reicht der Login-Name, ein Hastag oder das weiterleiten per Retweet.<\/p>\n<\/div>\n<h3>These 3: Social = Die Teilnehmer werden als Individuum wahrgenommen (?)<\/h3>\n<p>Ein Kollege meinte mal (\u00fcberspitzt): Sobald ein Avatarbild dabei ist, w\u00e4re es &#8222;social&#8220;. Ich glaube, so ganz falsch liegt er damit nicht, denn das Identit\u00e4tsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil von Social Software (vgl. <a href=\"#Richter\">RICHTER &amp; KOCH 2009, S.3<\/a>). W\u00e4hrend in Groupware so etwas wie &#8222;Awareness&#8220; noch eines der besonderen (wenn \u00fcberhaupt verf\u00fcgbaren) Features waren und sich oft auf Informationen wie &#8222;wer ist online&#8220; oder &#8222;2 neue Dokumente&#8220; beschr\u00e4nkte, ist die Wahrnehmung anderer Nutzer DAS zentrale Prinzip von Social Software \u00fcberhaupt. Hier kommt zuerst &#8222;Oh, Anja hat einen neuen Blogeintrag&#8220; und dann &#8222;Was schreibt sie denn?&#8220;. Die Frage ist nicht mehr &#8222;Wor\u00fcber will man informiert werden?&#8220;, sondern &#8222;\u00dcber wen?&#8220;. Und das Ganze funktioniert auch \u00fcber Plattformen hinweg: Man folgt Personen auf Twitter, deren Blog man liest oder mit denen man (real und\/oder \u00fcber Social Networks) befreundet ist.<\/p>\n<h2>&#8222;Oh dear! Oh dear! I shall be late!&#8220; (<a href=\"#Carroll\">CARROLL 1865<\/a>)<\/h2>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de\/opco11\/agenda\/woche-2\/\">#opco11-Themenwoche zum Social Learning<\/a> ist ja eigentlich vorbei, aber vielleicht findet sich ja doch der ein oder andere, den das Thema noch nicht ganz loslassen will. Immerhin geht es ja genau darum: Wir gestalten die Lernprozesse selbst, somit auch Geschwindigkeit, Dauer und Intensit\u00e4t. Das einzige, was uns noch zu begrenzen scheint, ist die Zeit, die wir haben, nicht haben, die uns (nicht) gegeben wird oder die wir uns (nicht) nehmen.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Zum Nachlesen<\/h2>\n<ul>\n<li><a name=\"Carroll\"><\/a>Carroll, L. (1865). <a href=\"http:\/\/ebooks.adelaide.edu.au\/c\/carroll\/lewis\/alice\/\">Alice\u2019s Adventures in Wonderland<\/a>. web edition published by <a href=\"http:\/\/ebooks.adelaide.edu.au\/\">eBooks@Adelaide<\/a>.<\/li>\n<li><a name=\"Downes\"><\/a>Downes, S. (2005). <a href=\"http:\/\/www.elearnmag.org\/subpage.cfm?section=articles&amp;article=29-1\">E-learning 2.0<\/a>. <em>eLearn<\/em>, 2005(10), 1.<\/li>\n<li><a name=\"Golder\"><\/a>Golder, S., &amp; Huberman, B. A. (2005). <a href=\"http:\/\/arxiv.org\/abs\/cs.DL\/0508082\">The Structure of Collaborative Tagging Systems<\/a>. <em>Journal of Information Science<\/em>, 32(2), 198-208.<\/li>\n<li><a name=\"Koch\"><\/a>Koch, M., &amp; Richter, A. (2008). <a href=\"http:\/\/books.google.com\/books?id=BNyKs3chIg0C&amp;lpg=PR7&amp;ots=V2rV_43c6H&amp;dq=Enterprise%202.0%20%E2%80%93%20Planung%2C%20Einf%C3%BChrung%20und%20erfolgreicher%20Einsatz%20von%20Social%20Software%20in%20Unternehmen&amp;lr&amp;hl=de&amp;pg=PA20#v=onepage&amp;q&amp;f=false\"><em>Enterprise 2.0 &#8211; Planung, Einf\u00fchrung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen<\/em><\/a>. M\u00fcnchen: Oldenbourg.<\/li>\n<li><a name=\"Richter\"><\/a>Richter, A., &amp; Koch, M. (2009). <a href=\"http:\/\/www.kooperationssysteme.de\/docs\/pubs\/RichterKoch2009-HandbuchE-Learning.pdf\">Kooperatives Lernen mit Social Networking Services<\/a>. In A. Hohenstein &amp; K. Wilbers (Eds.), (Vol. 28. Erg\u00e4nzungslieferung). K\u00f6ln: Deutscher Wirtschaftsdienst, Wolters Kluwer Deutschland.<\/li>\n<li><a name=\"Schmidt\"><\/a>Schmidt, J. (2006). Social Software: Onlinegest\u00fctztes Informations-, Identit\u00e4ts- und Beziehungsmanagement. <em>Neue Soziale Bewegungen<\/em>, 19(2), 37-47.<\/li>\n<li><a name=\"VanderWal\"><\/a>Vander Wal, T. (2007). <a href=\"http:\/\/vanderwal.net\/random\/entrysel.php?blog=1917\"><em>Tagging that Works<\/em><\/a>. San Francisco.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einer Diskussion mit Kollegen und jetzt auch durch das Thema Social Learning beim #opco11 stellt sich f\u00fcr mich immer wieder die Frage: Ab wann ist denn etwas &#8222;social&#8220;? 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