EIn Blick in die Zukunft? Wenn die neue VG-Wort-Regelung wahr wird

Die VG Wort hatte 2013 gerichtlich erstritten, dass Dozenten die Literatur einzeln melden müssten, die sie in Skripten verwenden oder digital bereitstellen. Die Hintergründe hatte ich bereits in diesem Artikel beschrieben.

Nach einer mittelgroßen Aufregung haben sich die KMK und die VG Wort für das Jahr 2016 noch einmal auf eine pauschale Vergütung geeinigt, d.h. im nächsten Jahr muss noch keine Einzelmeldung erfolgen.

Großes Aufatmen?

Über diverse Kanäle wurde nun also erst einmal Entwarnung gegeben (bspw. SZ). Die KMK-Pressemeldung betonte auch, dass

„im 1. Quartal 2016 das geplante Verfahren […] weiter entwickelt werden [soll]. Das Meldeverfahren soll – im Vergleich zu dem im Pilotprojekt der Universität Osnabrück im Wintersemester 2014/2015 erprobten Verfahren – deutlich vereinfacht und für die Hochschulen nutzerfreundlich ausgestaltet werden.“

Alles gesperrt: ein Blick in die Zukunft?

Als Reaktion auf die Regeländerung zum Jahr 2016 hat der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Informationsmanagement der Technischen Universität Dresden auf seinem Blog einen Einblick in das gegeben, was nun 2017 gelten könnte: Es wurde angekündigt, dass vorerst sämtliche digitalen Inhalte gesperrt seien.

„Sie erhalten:

  1. Keine PDF-Dateien der Vorlesungsfolien
  2. Keine PDF-Readings kontexterweiternder Fachartikel
  3. Keine E-Lectures“

Dazu werde aktuell geprüft, wie zukünftig Materialien bereitgestellt werden könnten (Hervorhebungen durch mich):

„Ob, wann und welche Inhalte wieder digital verfügbar gemacht werden können oder auf Papier gemäß Stand des letzten Jahrhunderts als CopyShop-Vorlagen zum dortigen käuflichen Erwerb durch Studierende bereitgestellt werden, ist ebenfalls Gegenstand dieser Prüfungsmaßnahmen.“

Außerdem wurde empfohlen, noch 2015 alles herunterzuladen, was man selbst noch benötigen könnte – und das im laufenden Semester!

Fortsetzung folgt(?)

Ich persönlich warte gespannt darauf, wie die von der KMK und VG Wort versprochene Vereinfachung aussehen soll. Denn mal ehrlich: ich glaube nicht, dass in dem Pilotprojekt in Osnabrück erprobt wurde, wie es denn besonders umständlich und schwierig funktionieren könnte. Eine Einzelmeldung wird immer aufwendig bleiben – wer wüsste das besser als die Autoren, und die haben wenigstens etwas davon? (Erinnerung: Meldungen in der Kategorie Wissenschaft noch bis 31.01.2016).

Oder nichts passiert und man könnte weiterhin pauschal vergüten. Aber dann hätte man sich das Gerichtsverfahren und den Zirkus hinterher samt sicher öffentlich gefördertem Pilotprojekt sparen können.

Die Reaktion des Dresdner Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik ist dabei keineswegs überzogen, sondern könnte nun Ende 2016 erneut auf alle deutschen Hochschulen zukommen. Man überlege sich allein den Aufwand an allen Hochschulen: die Pressemeldungen, die Informationen an die Studierenden, die Download-Orgien vor Weihnachten… In diesem Jahr war es hier recht ruhig. (Hat niemand an eine tatsächliche Umsetzung geglaubt oder hat es niemanden gekümmert, weil es das Problem der Lehrenden ist?)

Vielleicht ist es aber dennoch ein guter Vorsatz für Studierende zum neuen Jahr: Alles immer gut speichern.*

*und hier spare ich mir weitere Ausführungen, dass sich digitale Inhalte umso schwerer verlustfrei herunterladen lassen, je besser und interaktiver sie gestaltet sind. PDFs sind einfach, bei Wikis wird es schon eine Herausforderung. Willkommen mindestens im Jahr 2003 (als ich angefangen hatte zu studieren, da war ein PDF schon toll).

Beitragsbild: Paper Shredder by Sh4rp_i (CC BY 2.0)

Ein Gedanke zu “EIn Blick in die Zukunft? Wenn die neue VG-Wort-Regelung wahr wird

  1. Ich wünsche mir auf jeden Fall viel mehr solcher Aktionen wie die des Lehrstuhls. Einfach das Verfahren zu boykottieren statt wie von anderen angedacht zu nutzen, ist schließlich eine völlig legitime Konsequenz — wenngleich Deutschland dann erst einmal in die Steinzeit zurückfällt.

    „Eine kleine Revolution ab und zu ist eine gute Sache.“ (Marko Ramius)

    Wenn genügend Lehrende das machen, dürfte hoffentlich selbst unseren Vertretern in der Politik klar werden, dass sie da wohl doch irgendwo in die Irre laufen.

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