Flipped Conference Track: Mehr als ein videokonservierter Vortrag?

Bei der Europäischen MOOC-Konferenz (EMOOCs 2016) soll es einen Flipped Conference Track geben: Die Beiträge sollen ein 5minütiges Video einreichen, das in einem Pre-Conference MOOC ab dem 12. Januar 2016 den Vortrag vor Ort vorbereitet und die Diskussion bereits anstoßen soll.

EMOOCs 2016

TL;DR

Der Flipped-Confence-Modus für Konferenzen scheint eine interessante Spielwiese zu sein, um die Darstellung von Konferenzthemen in Videos neu zu überdenken. Man könnte und sollte die Videocasts als bloße Abbildung von Präsenzvorträgen überwinden, und die Möglichkeiten des Mediums „Video“ auch für die Wissenschaftskommunikation besser nutzen.

Flipped == Premium Elite Superhero plus nice gimmicks

Natürlich gehören diese Einreichungen zur „Elite der EMOOCs 2016“, wie die Grazer Organisatoren schreiben:

„We will honor the participation and successful completion of the MOOC with a premium participant status for the eMOOCs 2016 conference that includes access to the Flipped Conference discussion track, special labeled tags/lanyards and for sure some further nice gimmicks.“

Ich habe einen Beitrag zu meiner Studie um das MOOC-Production-Fellowship-Programm eingereicht (erste Ergebnisse gab es auf unserer Tagung „MOOCs and beyond“) und habe natürlich im Formular den „willst Du auch nice gimmicks“-Haken für den Flipped Conference Track gesetzt. Am 09.11.2015 ist die Benachrichtigung der Autoren angekündigt, das Video soll bis Mitte Dezember eingereicht werden.

Nun halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass der Beitrag angenommen wird: Das Thema passt, die Methodik ist eigentlich ganz sauber dargelegt, die Ergebnisse sind für die Community nicht uninteressant… das zusammen mit dem Wissen, dass nicht alles Gold ist, was eingereicht wird, lässt mich eigentlich hoffen, im Februar „premium participant“ bei der EMOOCs zu sein. Dann muss aber ein Video her und der anstehende ILD-Day (ein Tag alle 2 Monate, an denen Mitarbeiter bei oncampus/ILD selbst gewählten eigenen Projekten nachgehen können) lassen mich über die Möglichkeit zur Gestaltung eines solchen Videos nachdenken.

Flipped Conference ist ja so DeLFI 2014

Nun ist es ja nicht so, als hatte die EMOOCs 2016 die Flipped Conference erfunden (sorry Martin, wisst Ihr aber selbst 😉 ). 2014 hatte ich bereits die Aufgabe im Gamification-Workshop auf der DeLFI 2014 ein Video zur Vorbereitung des eigentlichen Workshops vorzubereiten. Ich hatte mich damals seit langem wieder einmal mit Videocasts auseinandergesetzt und meine Erfahrungen auch hier verbloggt.

Das Ergebnis sieht technisch ganz gut aus und würde nach heutigen Standards ähnlich gut funktionieren (bitte nicht komplett anschauen, sonder kurz auf die „Machart“ hin anspielen):

Ich hatte also meine Slides vorbereitet und den Vortrag eingesprochen. So weit – so respektlos gegenüber dem veränderten Medium? Immerhin verachten wir eBooks, die eigentlich nur PDFs sind und sich das „e“ über die Eigenschaft erschleichen, dass man sie auch am Bildschirm lesen kann. Muss es mit dem neuen Medium nicht auch neue Möglichkeiten geben?

Beyond recorded lectures: Wissenschaftskommunikation mit Videos

Während ich bei der DeLFI den Vortrag einfach nur im Video „abgebildet“ habe, denke ich zunehmend darüber nach, mit welchen Möglichkeiten der Videogestaltung man für Flipped Conferences noch arbeiten könnte. Und dieser Frage möchte ich mich zum ILD-Day stellen (wenn ich es neben #MOOC25, #OERde16, #CL20 und anderen aktuellen Projekten schaffe, sonst eben später):

Wie können Videos für einen Flipped-Conference-Ansatz gestaltet werden, sodass sie nicht nur einen zeitlichen, sondern auch einen inhaltlichen und eventuell auch motivationalen Vorteil für die Konferenz bringen?

Einige Ideen sind sicher davon abhängig, wie der Pre-Conference-MOOC für die EMOOCs umgesetzt werden soll. So war eine meiner ersten Ideen,

  • das Video mit Capira-Fragen anzureichern, d.h. wie bei mooin Fragen mitten im Video erscheinen zu lassen, zum Beispiel so (aus dem ichMOOC der VHSen Hamburg und Bremen sowie der FH Lübeck/oncampus, CC BY 3.0):

Wenn man daran das Video ausrichtet, könnte es sogar ohne Änderung des eigentlichen Filmstiles schon ganz cool sein. Neben dem Nutzen für die Konferenz ist das (erweiterte) Video natürlich auch ein Mittel zur Wissenschaftskommunikation, die ich, seit ich Podcasts wie Methodisch Inkorrekt, Sternengeschichten, Kulturkapital, Benecke, das geheime Kabinett, ZugehOERt u.v.a. in letzter Zeit wieder sehr spannend finde (meine Entdeckung der Podcast-Welt ist mal einen eigenen Blogpost wert).

Was geht noch? #Followerpower

Eigentlich will und soll ich mir diese Überlegungen ja bis Donnerstag zum ILD-Day aufheben, aber wenn ich diese Frage jetzt geschickt stelle, dann könnte der ein oder die andere von Euch auch noch eine tolle Idee haben, auf die ich dann gleich als Input zurückgreifen kann. Also bitte, falls Ihr Ideen habt, kommentiert, twittert, blogt o.ä., nach Open Science Gedanken immer gern öffentlich auf Euerm Lieblinksmedium: Welche Ideen habt Ihr? Welche Beispiele kennt Ihr, die Videos für Flipped Conferences über einen abgefilmten Vortrag hinaus zeigen?

Ich dachte beim Verfassen dieses Beitrag gleich daran, dass man sich bei YouTube-Stars umschauen muss. Ich selbst habe u.a. LeFloid abonniert und schaue ihn regelmäßig. Hier kann man sicher die schnellen Schnitte, den kreativen Umgang mit Bildern und Memes, aber auch den Aufruf zur Diskussion übernehmen.

Vielleicht und ganz bestimmt gibt es hier noch mehr Muster, die auch auf wissenschaftliche Beiträge übertragbar sind. Wenn wir an das bei oncampus oft zitierte Mantra „Video is the new ‚text'“ von Josh Bersin glauben, dann muss hier doch auch etwas für die Wissenschaft herausspringen – auch um die Science Gap ein wenig zu verkleinern.

 

Beitragsbild: Recording Naomi Oreskes lecture based on her book Merchants of Doubt by Benno Hansen (CC BY 2.0)

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